Morenga by Timm Uwe

Morenga by Timm Uwe

Author:Timm, Uwe [Timm, Uwe]
Language: deu
Format: epub
Published: 2013-10-07T16:00:00+00:00


Gefechtsbericht 3

Die Unternehmungen

des Obersten Deimling gegen Morenga

in den Großen Karrasbergen

im März 1905

Nachdem es Oberst Deimling nicht gelungen war, die Witboois Ende 1904 bei Naris zu schlagen (zerschmeißen), war er in eine schiefe Situation gekommen. Einmal persönlich, als Kommandeur der Südabteilung, zum anderen in militärisch-operativer Hinsicht. Im äußersten Süden stand Morenga mit seinen Aufständischen im Gebiet des Großen Karrasgebirges und bedrohte von dort den Nachschub aus der Kapkolonie und vom Hafen von Lüderitz. Im Nordosten waren die Witboois irgendwo in der endlosen Steppe verschwunden, bedrohten aber beständig die rückwärtigen Verbindungen nach Windhuk. Die Südabteilung war in der Klemme. Irgend etwas mußte geschehen. Mitte Januar verlegte Deimling sein Quartier nach Keetmannshoop in den Süden. Da der Standort der Witboois nicht genau auszumachen war, und da er nach dem Debakel seiner Aob-Operation es scheute, mit größeren Truppenverbänden in das wasserlose Gebiet einzudringen, entschloß sich Deimling, die Aufständischen im Karrasgebirge anzugreifen.

Morenga hatte sich von Dezember bis März ruhig verhalten. Es mangelte ihm, wie man später aus Gefangenenaussagen erfuhr, an Munition.

Deimling mußte, um die konzentrische Operation gegen Morenga durchführen zu können, zuerst das Nachschubproblem lösen. Zwar gab es im Gebirge wesentlich mehr Wasserstellen als im Aobgebiet, dafür war das Gelände für Ochsenwagen unzugänglich, weil zu steil und felsig.

Der Major i. G. Buchholz arbeitete Lösungsvorschläge aus: Eine Eselbahn über die Dünen bei Lüderitz, verstärkter Einsatz von Maultieren im gebirgigen Gelände und die versuchsweise Einführung von Kamelen, zunächst einmal hundert Tiere, die dann von Veterinären auf ihre Leistung geprüft werden sollten.

Über die geplante Operation gegen Morenga kam es zu heftigen Kontroversen zwischen dem Oberst Deimling, Kommandeur der Südabteilung, und dem ihm vorgesetzten General v. Trotha, dem Oberkommandierenden der Schutztruppe. Deimling schrieb Eingaben und lieferte Begründungen, warum Morenga sofort angegriffen werden müsse, (1. die Möglichkeit einer Vereinigung von Morenga und Witbooi, dafür gäbe es handfeste Hinweise; 2. der inzwischen legendäre Ruf Morengas, unschlagbar zu sein.) Trotha hingegen verlangte, daß zuerst Witbooi gestellt und vernichtet werden solle. Trotha und sein Stab hatten wegen der logistischen Situation Bedenken. Vor allem hielt Trotha die Stärke der deutschen Truppen, die inzwischen auf mehr als zehntausend Mann angewachsen war, noch immer nicht für ausreichend, die Aufständischen endgültig zu vernichten. Eine größere Streitmacht im Süden hatte wiederum verstärkte Nachschubprobleme: Der Nachschubweg von Norden, also von Windhuk, war lang und darüber hinaus ständig von den momentan nicht auffindbaren Witboois gefährdet. Die englische Grenze war zur Zeit gesperrt, weil ein Bastard namens Morris die Gegend unsicher machte. Und der ebenfalls lange und schwierige Baiweg von Lüderitz war von den Bethanier-Hottentotten unter Cornelius bedroht. General Trotha und sein Stab setzten darauf, daß der Reichstag möglichst bald die Kredite für einen Eisenbahnbau Lüderitz-Keetmannshoop bewilligen würde.

Gab es auch noch andere, nicht militärisch-strategische Überlegungen?

General Trotha war inzwischen ebenfalls in eine schiefe Situation gekommen, er wurde wegen seiner Blut- und Schwertpolitik nicht nur international, insbesondere von der englischen Presse, angefeindet – und zu Hause selbstverständlich auch von den Sozialdemokraten (was man gelassen tragen konnte), sondern inzwischen fingen auch andere an zu hetzen und zu wühlen: Missionare (konnten nicht anders), die Ansiedler



Download



Copyright Disclaimer:
This site does not store any files on its server. We only index and link to content provided by other sites. Please contact the content providers to delete copyright contents if any and email us, we'll remove relevant links or contents immediately.