Hilf mir, liebes Hausgespenst! by Fischer Marie Louise

Hilf mir, liebes Hausgespenst! by Fischer Marie Louise

Author:Fischer, Marie Louise [Fischer, Marie Louise]
Language: deu
Format: epub
Published: 2013-07-26T16:00:00+00:00


Geisterstunde

In der Nacht erwachte Monika von einem heftigen Geräusch. Es hörte sich an, als würde eine Handvoll kleiner Steine gegen ihr Fenster geworfen. Sie erschrak.

Da war es wieder, dieses Prasseln gegen Glas!

Was hatte das zu bedeuten? Sie sprang auf, lief zum Fenster und zog den Vorhang auf. Deutlich sichtbar lag die Wiese im Mondlicht vor ihr. Sie sah sogar die Zaunlatten, die Peter und Georg gestapelt hatten. Aber einen Menschen konnte sie nicht entdecken.

Der Balkon verdeckte ihr den Blick zur Haustür, aber sie widerstand der Versuchung, hinauszugehen, denn er war morsch, und es war lebensgefährlich, ihn zu betreten.

Sie entschloß sich wieder in ihr Bett zu schlüpfen, aber gerade als sie sich umdrehte, war der Krach schon wieder da.

Ob Ingrid unten vor dem Haus stand und ihr etwas mitzuteilen hatte? Doch ausgerechnet jetzt, mitten in der Nacht? Monika warf einen Blick auf ihren Wecker. Es war zwei Uhr vorbei. Um diese Zeit durfte Ingrid die Wohnung ihrer Eltern doch sicher gar nicht verlassen.

Aber wer außer ihr konnte es sein?

Monika entschloß sich, ihren Morgenmantel anzuziehen und hinunterzulaufen. Aber als sie noch einmal zum Fenster blickte, stand Amadeus dort und sah sie aus seinen großen, weit auseinanderstehenden Augen spöttisch an. Nicht wie sonst entwickelte er sich aus einer Art beweglichem Nebel heraus, sondern er war sofort völlig da. Vielleicht war aber auch seine Umwandlung hinter ihrem Rücken vor sich gegangen.

„Ach, du bist es, Amadeus!“ sagte Monika erleichtert. „Hätte ich mir eigentlich denken können. Aber um mich zu sprechen, brauchst du doch nicht so ein Theater zu machen!“ Sie kletterte wieder in ihr Bett und ließ sich im Schneidersitz nieder.

„War es nicht lustig?“

„Doch. Wie hast du das gemacht?“

Als Antwort schüttelte er lächelnd den Kopf.

„Na, bitte, wenn du es mir nicht verraten willst! Ich bin froh, daß du heute zu mir gekommen bist. Ich hatte ja noch gar keine Gelegenheit, mich für heute nachmittag zu bedanken.“

„Oui, Amadeus war merveilleux!“

„Was heißt das?“

„Daß ich großartig war!“

„Sag mal, eingebildet bist du wohl gar nicht?“

Amadeus sah sie mit großen Augen an.

„Das verstehst du nicht? Macht auch nichts. Aber es stimmt schon: du warst großartig! Herr Graunke war ganz platt!“

„Platt, was heißt das?“

„Baff... beeindruckt.“

„Ach so. Ja, das hatte ich beabsichtigt... ihn zu beeindrucken.“

„Du warst sehr gut, Amadeus. Wir müssen dir alle so dankbar sein. Ohne dich könnten wir hier gar nicht leben.“

„Wieso nicht?“

„Weil wir nicht soviel Geld haben, einen so schönen Besitz zu kaufen.“ Ihr schien es, als verdüstere sich sein Gesicht, und sie fügte rasch hinzu: „Aber davon abgesehen habe ich dich auch sehr lieb.“

„Lieb... was ist das?“

„Aber, Amadeus, du mußt doch wissen, wie das ist, wenn man jemand lieb hat!“

Er schüttelte den Kopf, und Puderteilchen — vielleicht war es auch Staub — tanzten im Mondlicht.

„Vielleicht weißt du’s auf französisch“, meinte Monika, „komm, steh doch nicht so da, setz dich zu mir.“

Er ließ sich gewichtslos auf der Bettkante nieder.

„Erzähl mir ein bißchen was“, bat sie.

„Ich weiß nichts.“

„Doch. Du mußt sogar viel wissen... nach all den Jahren, die du schon auf der Welt bist. Erzähl mal, wie es war, als



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