Heimatschutz by Aust Stefan; Laabs Dirk

Heimatschutz by Aust Stefan; Laabs Dirk

Author:Aust, Stefan; Laabs, Dirk
Language: deu
Format: epub
Publisher: Pantheon
Published: 2014-05-05T16:00:00+00:00


25. März 2000

Berlin

Seit über vier Jahren konnte Stephan Lange, genannt Pinocchio oder kurz Pin, in relativer Ruhe Blood and Honour von Deutschland aus führen. Er hat den Ärger mit den Sachsen überstanden und konnte danach B&H weiter ausbauen, mehr Sektionen gründen, neue Mitglieder aufnehmen. Das ging einigen Veteranen bereits zu weit, die Bruderschaft würde verwässert. Viel Geld ist allerdings trotz der Expansion nie in der Kasse – gerade erst ist wieder ein Mitglied mit Geldern verschwunden, zudem verbrennen Konzerte, die kurzfristig verboten werden, die finanziellen Mittel, da Anlage und Bands oft auch dann bezahlt werden müssen, wenn die Polizei den Saal vor Beginn räumt.

Die Hefte der Division Deutschland wurden trotzdem immer dicker und auf teurerem Papier gedruckt, selbstbewusst ließ Lange den Claim »The unbended Voice of the Unterground« auf jede Seite des aktuellen Heftes drucken. Bei der Abholung des neuen Heftes aus der Druckerei schauen Lange diverse Dienste zu, darunter das Bundesamt für Verfassungsschutz. Man wusste vorher, wer wann die Hefte aus einer Druckerei in Bayern abholt. Es wird abgewogen, was man mit der Information macht – schließlich wird sie an die Kripo weitergegeben. Die Folge: Das LKA Berlin durchsucht an diesem Samstag Langes Wohnung, sein Auto, das Vereinsheim von Blood and Honour auf einem alten Schlachthofgelände in Berlin. Stephan »Pin« Lange war noch undisziplinierter als Jan Werner im Jahr zuvor, das LKA findet palettenweise belastendes Material – im VM-Bus von Lange allein 1500 Hefte der neuen Ausgabe des Magazins der Division Deutschland, der Nr. 9 mit der Titelzeile: »Protecting the Fatherland form the Scum of the Earth«. Auf dem Cover zu sehen sind zwei Männer mit riesigen Waffen in der Hand, dem Hollywood-Blockbuster Men in Black nachempfunden. Das 124 Seiten dicke Heft zeigt, wer mit wem in der Szene zusammenhängt: Ein langes Interview mit Thorsten Heise ist genauso abgedruckt wie ein Gespräch mit dem Autor der Turner Diaries William Pierce. Die üblichen Bands werden besprochen, auf der letzten Seite macht der V-Mann »Primus« für seinen Laden Last Ressort in Zwickau Werbung. Neofaschisten aus zig Ländern haben geschrieben, was sie zum neuen Jahrtausend sagen wollen, Thorsten Heise schreibt nur: »Kameraden! Widerstand«. Der Thüringer Heimatschutz zitiert aus Adolf Hitlers Mein Kampf. Über 1800 CDs samt zugehörigen Covern stellt das LKA ebenfalls bei Lange sicher. In seiner Wohnung werden mehrere Jacken mit dem Schriftzug Blood and Honour gefunden, ein Bild von Adolf Hitler, ein Ku-Klux-Klan-Aufnäher – vor allem aber fast die komplette Korrespondenz der Blood and Honour-Division Deutschland. Zum ersten Mal fällt der Polizei auch eine Satzung von Blood and Honour in die Hände, was für die Division besonders gefährlich ist, weil so die Behörden eine Struktur belegen können – Grundlage für ein mögliches Verbot der Gesamtorganisation. Die Staatsanwaltschaft Berlin befasst sich nun ausführlich mit Pinocchio. Das BfV wird ebenfalls hingezogen, obwohl ja der Tipp aus Köln kam – was halten die Auswerter dort von den Funden bei Lange? Das Amt lässt sich Zeit mit der Antwort und wird im Mai schreiben: Trotz der Funde bei Lange ist man nach wie vor gegen ein Verbot von Blood and Honour in Deutschland.



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