Atlan 795: Die verlorene Seele by Sydow Marianne

Atlan 795: Die verlorene Seele by Sydow Marianne

Author:Sydow, Marianne [Marianne, Sydow,]
Format: epub
Published: 2010-09-27T21:30:30.921000+00:00


7.

Atemlose Stille herrschte in der Kammer, in der die vier Käfige standen. Goman-Largo und Neithadl-Off starrten Dartfur und den Roboter-Errenos an und wagten sich kaum zu rühren, aus Furcht, die Verlorene Seele könne sonst auf dumme Gedanken kommen.

Auch Anima war sich ihrer Sache noch längst nicht sicher. Genauer gesagt, war sie verblüfft von der Wirkung, die sie erzielt hatte. Sie hatte zwar erkannt, daß Dartfur verletzlich war, und sie hatte geahnt, wo sie ansetzen mußte – aber sie hatte nicht gedacht, daß es so schnell gehen würde.

Warum er sich nur jetzt so viel Zeit ließ! Seit mehreren Minuten schon stand er regungslos da, ohne etwas zu sagen.

Anima hatte immer noch Mitleid mit ihm, und dieses Gefühl war echt. Sie spielte ihm das keineswegs nur vor, um eine bestimmte Reaktion hervorzurufen. Aber sie wußte nicht, ob sie es ein zweites Mal schaffen würde. Schon jetzt wurde ihr nur allzu deutlich bewußt, in wie starkem Maß sie dieses Wesen beeinflußt hatte, und sie fürchtete sich ein wenig vor sich selbst.

Vor allem fürchtete sie, daß sie bei einem zweiten Anlauf nicht die Kraft haben würde, Dartfur zu überzeugen.

Aber wenn sie es beim erstenmal nicht geschafft hatte, brauchte sie sich darüber wahrscheinlich sowieso nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Wenn die Verlorene Seele auch nur einen Funken Verstand besaß, dann würde sie ihre Überlegungen für sich behalten und Anima in den nächsten Roboter versetzen, anstatt Errenos zurückzuschicken.

Sie empfand tiefes Grauen bei diesem Gedanken.

Einige der metallischen Punkte auf Dartfurs Kleidung begannen zu blinken und zu blitzen, und um die Verlorene Seele herum flimmerte es in der Luft. Anima war wie hypnotisiert. Sie konnte nicht wegsehen, obwohl sie es gerne getan hätte.

Sie fürchtete, daß ihre Angst sich auf Dartfur übertragen könnte, und ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Sie sah, wie Dartfur zusammenzuckte und den Kopf drehte. Seine diamantenen Augen funkelten.

»So herum ist es schwieriger«, erklärte er, und es klang fast, als wolle er Anima beruhigen. »Aber es ist noch nicht zu spät.«

Sie fühlte, sich beschämt. Um ihres Mitleids willen hatte Dartfur es auf sich genommen, sich zu erinnern, und Anima wußte, wie sehr die Verlorene Seele dabei gelitten hatte. War es da nicht verständlich, daß er ein wenig Zeit brauchte?

Um den Roboter-Errenos herum bildete sich ein bläuliches Flimmern, und fast gleichzeitig wurde auch der Käfig in blaues Licht getaucht. Der Roboter schwankte ein wenig – das war alles. Das Licht erlosch.

»Er wird ein paar Minuten brauchen, um wieder zu sich zu finden«, bemerkte Dartfur. »Macht euch deswegen keine Sorgen – das ist völlig normal.«

»Du könntest mich aus dem Käfig lassen«, schlug Anima behutsam vor. »Vielleicht kann ich ihm helfen.«

»Oh, ja!« sagte die Verlorene Seele. »Das ist eine gute Idee. Dartfur ist ihm jetzt sicher noch kein sehr willkommener Anblick.«

Und im gleichen Augenblick entstand eine Lücke in dem metallenen Rankenmuster, groß genug, daß Anima bequem hindurchgehen konnte.

»Wie hast du das gemacht?« fragte sie verwundert. »Du hast das Gitter nicht berührt.«

Dartfur ging nicht auf die Frage ein. Er deutete auf den anderen Käfig, in dem Errenos lag, und auch dort war eine Lücke entstanden.



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