Es: Roman by King Stephen

Es: Roman by King Stephen

Author:King, Stephen [King, Stephen]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Random House DE
Published: 2011-02-17T23:00:00+00:00


4

Richie Tozier nimmt seine Beine in die Hand

Nun, da war der Tag, als Henry und seine Freunde mich gejagt haben – vor Schulende, das war …

Richie ging am Bassey Park vorbei die Outer Canal Street entlang. Jetzt blieb er mit den Händen in den Taschen stehen, sah zur Kussbrücke, ohne sie richtig zu sehen.

Ich bin ihnen in der Spielzeugabteilung von Freese’s entwischt.

Seit der verrückten Schlussszene des Mittagessens im Jade of the Orient war er ziellos umhergelaufen und hatte versucht, den fürchterlichen Inhalt der Glückskekse geistig irgendwie zu verarbeiten. Höchstwahrscheinlich war überhaupt nichts aus diesen Dingern herausgekommen, versuchte er sich einzureden. Vermutlich war es so eine Art Gruppenhalluzination gewesen, hervorgerufen durch all den unheimlichen Scheiß, über den sie gesprochen hatten. Der beste Beweis für diese Hypothese war doch, dass Rose nichts gesehen hatte. Natürlich, Beverlys Eltern hatten damals das Blut im Badezimmer auch nicht gesehen, aber das war nicht dasselbe.

Nein? Und warum nicht?

»Weil wir jetzt erwachsen sind«, murmelte er, stellte aber fest, dass dieser Gedanke ihm weder logisch noch beruhigend erschien; ebenso gut hätte er irgendeine Zeile aus einem Kinder-Abzählreim aufsagen können.

Er ging wieder weiter.

Ich war beim City Center und setzte mich eine Weile auf die Parkbank und glaubte zu sehen …

Stirnrunzelnd hielt er erneut inne.

Was zu sehen?

… aber das habe ich nur geträumt.

Oder nicht? War es Wirklichkeit?

Er warf einen Blick nach links und sah das große Gebäude aus Glas, Backstein und Stahl, das Ende der Fünfzigerjahre so erhaben gewirkt hatte, jetzt aber ziemlich altmodisch und schäbig aussah.

Hier bin ich nun also wieder, dachte er, am verdammten City Center, dem Schauplatz jener anderen Halluzination. Oder jenes Traumes. Oder was zum Teufel es auch immer gewesen sein mag.

Die anderen hatten in ihm immer den Klassenkasper gesehen, und er war ganz leicht wieder in diese Rolle geschlüpft Oh, aber wir sind alle wieder in unsere alten Rollen geschlüpft, ist dir das nicht aufgefallen? Und das war nicht einmal so ungewöhnlich. Er dachte, dass man so etwas vermutlich bei jedem Highschool-Klassentreffen nach zehn oder zwanzig Jahren beobachten konnte – der Komiker, der auf dem College seine Berufung zum Priester entdeckt hatte, würde nach zwei Drinks wieder der alte Klugscheißer sein, der Englisch-Streber, aus dem ein geschickter Autoverkäufer geworden war, würde plötzlich Vorträge über John Irving oder John Cheever halten, und der Junge, der an Freitag- und Samstagabenden in einer Band gespielt und sich zum Mathematikprofessor gemausert hatte, würde plötzlich mit einer Gitarre in der Hand bei der Kapelle sitzen und mit betrunkener, ausgelassener Fröhlichkeit »Gloria« oder »Surfin’ Bird« grölen. Was sang Springsteen doch gleich? No retreat, no surrender – kein Rückzug, keine Kapitulation – … Aber es war leichter, an die Oldies auf dem Plattenteller zu glauben, wenn man schon ein paar Drinks intus hatte.

Doch, so glaubte Richie, dieser Rückfall war eine Halluzination, nicht aber die jetzige Lebensweise. Vielleicht war das Kind der Vater des Mannes, aber Väter und Söhne hatten oft ganz verschiedene Interessen … und nur eine oberflächliche Ähnlichkeit. Sie …

Aber du sagst Erwachsene, und es hört sich wie Unsinn an; es klingt wie Wischi-waschi.



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