Wurzeln by Alex Haley

Wurzeln by Alex Haley

Author:Alex Haley [Haley, Alex]
Language: deu
Format: epub
Published: 2013-07-09T22:00:00+00:00


Kapitel 73

Allmonatlich fuhr Kunta den Masser an zwei Sonntagen zur Kirche, vielmehr zum Waller-Gemeindehaus, das etwa fünf Meilen von der Plantage entfernt lag. Der Fiedler hatte ihm erzählt, daß nicht nur die Wallers, sondern auch andere einflußreiche weiße Familien eigene Gemeindehäuser ringsum im Distrikt gebaut hätten. Kunta war anfangs überrascht gewesen, daß die Gottesdienste auch von einigen der weniger vornehmen weißen Nachbarn besucht wurden, und sogar von den notorischen »armen Schluckern«, die sie oft mit dem Einspänner überholten, wenn die zu Fuß kamen und gingen, wobei sie ihre Stiefel an den Schnüren über der Schulter trugen. Weder der Masser noch sonst jemand von den »besseren Leuten« lud diese »armen Schlucker« jemals zum Mitfahren ein, und Kunta war froh darüber.

Der Gottesdienst bestand aus langen, einschläfernden Predigten und ebenso eintönigem Singen und Beten, und wenn es endlich vorbei war, kamen sie einer nach dem anderen in langer Reihe heraus und schüttelten dem Prediger die Hand, und Kunta vermerkte mit heimlichem Vergnügen, wie die »armen Schlucker« und die Angehörigen der Masser-Klasse einander zulächelten und höflich den Hut lüpften, als hebe die weiße Hautfarbe sie für den Moment auf die gleiche Stufe. Aber wenn sie danach ihre Picknickkörbe unter den Bäumen auspackten, saßen die beiden Gruppen doch wieder an den entgegengesetzten Seiten des Friedhofs – als hätte es sich rein zufällig so ergeben.

Während die schwarzen Kutscher, wie allsonntäglich, diesen feierlichen Ritus beobachteten und auf das Signal zur Heimfahrt warteten, sagte Roosby einmal zwischen den Zähnen, gerade laut genug, daß seine Kollegen ihn verstehen konnten: »Sieht so aus, als hätten die Weißen am Essen auch nicht viel mehr Spaß wie am Beten!« Kunta dachte daran, daß er in all den Jahren, die er Bell kannte, immer irgendeine dringende Arbeit vorgeschützt hatte, wenn eine ihrer »Jesus«-Zusammenkünfte im Sklavenquartier stattfand; aber auf dem Weg von und zur Scheune hatte er genug von dem Gejaule und Getue der Schwarzen gehört, um zu der Überzeugung zu gelangen, eine der wenigen lobenswerten Eigenschaften der toubobs sei ihre Neigung zu leiseren Gottesdiensten.

Es war nur etwa eine Woche später, als Bell Kunta an die »große Gebetsversammlung« erinnerte, die sie Ende Juli besuchen wollte. Dies war das größte Sommerfest der Schwarzen. Da Kunta jedes Jahr eine Ausrede gefunden hatte, um nicht daran teilnehmen zu müssen, wunderte es ihn, daß Bell immer noch die Nerven hatte, ihn dazu zu bitten. Er wußte wenig davon, was bei diesen Massenversammlungen vorging, außer daß sie sich um Bells Irrglauben drehten, und damit wollte er nichts zu tun haben. Aber Bell kam beharrlich darauf zurück. »Ich weiß doch, wie gern du mitmachen möchtest«, sagte sie mit unverhohlener Ironie, »drum sag ich’s dir diesmal zeitig genug, daß du dir’s vormerken kannst.«

Kunta fiel keine passende Antwort ein, und er hatte keine Lust, deswegen zu streiten; also sagte er: »Ich werd drüber nachdenken«, obwohl er fest entschlossen war, auch diesmal nicht mitzugehen.

Am Abend vor der Versammlung sagte der Masser, als er nach einer Fahrt zum Bezirksamt aus dem Wagen stieg: »Morgen brauch ich dich nicht, Toby. Aber ich habe Bell und



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