Greife nie in ein fallendes Messer by Friedhelm Busch

Greife nie in ein fallendes Messer by Friedhelm Busch

Author:Friedhelm Busch [Busch, Friedhelm]
Language: deu
Format: epub
ISBN: 3593386720
Publisher: http://ebook-de.blogspot.com/
Published: 0101-01-01T00:00:00+00:00


Alles begann am 20. Mai 1988 mit einer kleinen Notiz in der Börsen-Zeitung. Der Software-Hersteller SAP aus dem badischen Walldorf werde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und im Herbst unter der Federführung der DG-Bank in den amtlichen Handel der Börsen in Frankfurt und Stuttgart eingeführt werden.

Was Anfang 1972, drei Jahre vor der Gründung von Microsoft in den USA, in einem kleinen Reihenhaus in Walldorf von fünf ehemaligen IBM-Mitarbeitern ausgetüftelt worden war, hatte sich in den folgenden Jahren zu einem erfolgreichen Geschäft gemausert: Standardsoftware für die Computernutzer. Als Mitarbeiter von IBM Mannheim hatten die späteren Gründer von SAP immer wieder erfahren müssen, dass es zwar standardisierte Rechner gab, aber noch keine standardisierten Anwendungsprogramme. Mit neun Mitarbeitern wurde 1972 die SAP-Standardsoftware »System R« entwickelt, und bei einem Umsatz von etwas mehr als 600 000 D-Mark im ersten Geschäftsjahr blieb sogar ein kleiner Gewinn übrig. Zehn Jahre später standen bereits 100 Mitarbeiter auf den Lohn- und Gehaltslisten, wurden 24 Millionen D-Mark Umsatz erzielt. 1986 stellte sich SAP mit seinem Software-Programm R/2 auf der CeBIT zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit vor.

Überrascht stellte die Fachwelt fest, dass da im Badischen ein kleines Hightech-Unternehmen den Durchbruch zur Weltspitze plante. Dem Wirtschaftsjournalisten Gerd Meissner erzählte SAP-Chef Dietmar Hopp[*] knapp zehn Jahre später, was sich SAP von |160|dem Börsengang versprochen hatte. Einmal sollten die Mitarbeiter über die Aktien am Unternehmen beteiligt werden, der Bekanntheitsgrad sollte gesteigert werden, »und schließlich haben wir unsere Kapitaldecke so verbreitert, dass wir in der Lage sind, weltweit zu investieren und uns in einem sicher schwierigen Markt glänzend zu behaupten«.

Die kleine Meldung vom geplanten Börsengang des Software-Unternehmens SAP hatte im Frühjahr 1988 bei uns in der Redaktion keine übermäßige Resonanz gefunden. Noch waren wir alle damit beschäftigt, den Oktober-Crash 1987 aufzuarbeiten. Einige Mitarbeiter der DG-Bank aus Frankfurt sprachen zwar schon vor dem Börsengang von einem Hightech-Papier mit erheblichen Wachstumschancen, aber das Auf und Ab der großen deutschen Standardwerte beherrschte eindeutig unsere Schlagzeilen.

Dabei hätte das kleine Walldorfer Software-Unternehmen schon damals durchaus unsere volle Aufmerksamkeit verdient. Anlässlich der Vorstellung des Unternehmens durch die Frankfurter DG-Bank wurden auf dem Börsenparkett Zahlen herumgereicht, die die Profis aufhorchen ließen: Im Jahr vor dem Börsengang hatte der Umsatz im Inland um über 40 Prozent zugelegt, immerhin arbeiteten 65 der 100 größten deutschen Industrieunternehmen schon mit der SAP-Software. Noch dynamischer war es im Ausland gelaufen, mit einem Plus von 50 Prozent hatte sich dort der Umsatz mehr als verdoppelt. Für 1988 hatte das Unternehmen eine Dividende von 11,50 D-Mark angekündigt; jede neue Stammaktie im Nennwert von 50 Mark war bereits ab dem 1. Juli 1988 gewinnberechtigt.

Die Aktie versprach, ein Knüller zu werden. Darum wunderte es auch keinen auf dem Börsenparkett, dass die Aktie, die in der Zeit vom 26. bis zum 28. Oktober zu einem Kurs von 750 D-Mark verkauft werden sollte, binnen weniger Stunden mehrfach überzeichnet war.



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