Lexikon des Unwissens: Worauf es bisher keine Antwort gibt (E-Book zu Print) (German Edition) by Passig Kathrin & Scholz Aleks

Lexikon des Unwissens: Worauf es bisher keine Antwort gibt (E-Book zu Print) (German Edition) by Passig Kathrin & Scholz Aleks

Author:Passig, Kathrin & Scholz, Aleks [Passig, Kathrin]
Language: deu
Format: epub
Tags: Technik/Naturwissenschaft, Sachbücher/Natur
Publisher: Rowohlt E-Book
Published: 2009-10-04T22:00:00+00:00


Menschengrößen

You can’t teach height.

Frank Layden, ehemaliger Basketball-Trainer

Menschen sind bei der Geburt winzig klein und erreichen schon nach wenigen Lebensjahren eine Größe, die es kaum noch erlaubt, sich vorzustellen, dass das Kind einst komplett im Bauch der Mutter Platz hatte. Nach etwa zwanzig Jahren dann ist bei den meisten von uns eine Gesamthöhe von anderthalb bis zwei Metern geschafft. Der dazwischen ablaufende Wachstumsprozess verläuft schleichend und ist daher nur indirekt an den Strichen an der Küchentür zu beobachten. Vieles am Wachstum ist unbekannt und nicht genau verstanden. Hier aber soll es vor allem um die Frage gehen, was am Ende die Größe des Menschen bestimmt. Warum sind manche kleiner und andere größer?

Wichtig für die endgültige Größe eines Menschen sind seine genetischen Anlagen, die beim Zusammenbau von neuen Kindern fest installiert werden. Das Erbgut ist vor allem bei der Betrachtung von Einzelfällen von Bedeutung – kleine Eltern setzen selten große Kinder in die Welt und große Eltern selten kleine. Mittelt man jedoch über ganze Völker, so verschwinden solche individuellen Unterschiede weitestgehend. Inwieweit die durchschnittliche Körpergröße in einer großen Bevölkerungsgruppe von den Genen unabhängig ist, kann man zum Beispiel überprüfen, indem man zwei Probandengruppen vergleicht, die zwar ähnliche mittlere genetische Voraussetzungen aufweisen, aber längere Zeit rigoros voneinander getrennt waren. Eine solche Trennung wurde, ohne Absprache mit der Wissenschaftswelt, über vierzig Jahre in Deutschland aufrechterhalten. Das Ergebnis dieses «Experiments»: Die Menschen in der DDR waren am Ende im Mittel etwa einen Zentimeter kleiner als die im Westen Deutschlands. Noch drastischer fallen die Unterschiede zwischen Nord- und Südkorea aus. Daniel Schwekendiek von der Universität Tübingen fand heraus, dass sechsjährige Jungen in Nordkorea im Jahr 1997 mehr als 15 Zentimeter kleiner waren als ihre Altersgenossen in Südkorea. Weil Nord- und Südkoreaner sich aber innerhalb einiger Jahrzehnte nicht genetisch auseinanderentwickelt haben können, müssen andere Einflüsse für diese Unterschiede verantwortlich sein. Das Erbgut, so wird heute meist angenommen, legt nur die Obergrenze des Wachstums fest. Wie weit man dann tatsächlich in die Höhe schießt, wird auf andere Art und Weise bestimmt.

Menschen wachsen wie alle Lebewesen nur, wenn man ihnen Dinge zuführt, aus denen sie neue Zellen bauen können: Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, außerdem größere Mengen Luft und Wasser und zudem noch eine lange Liste von sonstigen Stoffen. Dass die Zusammensetzung und Menge der Nahrung Auswirkungen auf die mittlere Körpergröße hat, steht heute außer Frage. Ernährung ist aber bei weitem nicht der einzige Faktor. Krankheiten zum Beispiel hemmen das Wachstum, weil das Kind seine Kraft zu ihrer Bekämpfung einsetzt und kaum noch Energie zum Größerwerden zur Verfügung hat. Deshalb spielt offenbar die Krankheitsvorsorge eine Rolle, also Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und regelmäßige Überwachung der Gesundheit der Kinder. Weiterhin scheint die Größe der Menschen von so schwer messbaren Dingen wie Zuneigung, Geborgenheit und Glück abzuhängen. Maria Colwell, ein in den 1960er Jahren geborenes englisches Mädchen, hörte, so sagt man, jeweils mit dem Wachsen auf, wenn man sie zu ihren Eltern ließ, weil es ihr dort schlecht erging. Brachte man sie ins Krankenhaus, wurde sie umgehend größer. Andere Kinder wie Oskar Matzerath sind überzeugt



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